Wanderung zur Trifthütte

Wanderung von Gadmen zur längsten Hängebrücke in den Alpen, der Triftbrücke. Von Dort aus ging’s weiter zur Trifthütte mit Übernachtung. Die Brücke ist spektakulär und es braucht ein wenig Mut darüber zu gehen.

Was lange währt wird endlich gut.

Bis zum Jahr 2005 wäre ich wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen eine Wanderung zur Trifthütte zu unternehmen, da ich sie erstens nicht kannte und es vordergründig „bessere“ Ziele gab die ich noch besucht hätte. Doch dann wurde dort oben eine neue Hängebrücke eröffnet und mir war, nachdem ich die ersten Bilder davon gesehen hatte sofort klar, dass ich diese unbedingt vor Ort anschauen wollte. Aber es sollte doch drei Jahre dauern bevor es am 26 Juli 2008 endlich so weit war. Zusammen mit sieben weiteren Bekannten unternahmen wir das Abenteuer „Trift“.

Die Anreise erfolgte schon am Freitag Abend wo wir im kleinen Örtchen Gadmen abstiegen. Dieses wintzige Dorf liegt an der Strasse hinauf zum Sustenpass. Da wir erfahren hatten, dass es oft zu langen Wartezeiten an der Gondel kommt in den Sommermonaten, standen wir früh genug auf um dann kurz nach Acht an der Talstation zu sein. Offiziell öffnet die Bahn ihren Betrieb erst um neun Uhr, aber wir wussten, dass bei Bedarf die ersten Gondeln schon früher hinaufgeschickt werden. Die Gondeln sind sehr klein und fassen gerade einmal 8 Personen. Die einfache Fahrt kostet 12 Franken und bringt die Wanderer in 10 Minuten nach Oben. Die Fahrt ist sehr spektakulär, da man direkt in die tiefe Schlucht mit ihren steil abfallenden Wänden hineinschauen kann, wenn man darüber hinwegschwebt.

Die Bergstation liegt auf 1300 Metern Meereshöhe und wir konnten uns von dort aus direkt auf den Weg zur Hängebrücke machen. Nach einer Stunde konnten wir dann die Brücke zum ersten Mal sehen und unsere Vorstellungen wurden bei weitem übertroffen. Denn in natura sieht das Ganze noch viel spektakulärer aus als auf den Bildern. Um an den Brückenkopf zu gelangen muss man schon das erste Mal an Ketten nach unten klettern und kann dann direkt in die tiefe Schlucht hineinschauen, welche die Brücke überspannt. Höhenangst wäre hier definitv keine gute Idee. Unsere Gruppe ging ohne grosses Zögern aber trotzdem mit dem unweigerlich aufkommenden flauen Gefühl im Magen auf bzw. über die Brücke. Anderen ging es nicht so gut und brauchten lange bis sie sich schliesslich getrauten. Es ist schon ein komisches Gefühl da hinüber zu laufen, zumal die Brücke doch merklich schwankt, wenn sich mehrere Personen darauf befinden. Durch die Bretter am Boden hat man mehr Aussicht nach unten als einem manchmal lieb ist. Aber viel passieren kann ja eigentlich nicht und wenn man sich das vor Augen hält geht’s auch mit dem drüberlaufen.

Von der Brücke aus hat man einen tollen Blick auf den Gletschersee und den dahinterliegenden Gletscher. Das Panorama ist wirklich sehr beeindruckend und den Aufstieg mehr als wert. Die Brücke war für unsere Wanderung nur der erste Stop und wir kletterten an Ketten entlang durch die Felswand auf der anderen Seite. Da wo es gar nicht mehr ging sind Leitern angebracht die man hinunterklettern kann. Wenig Später waren wir durch die Felswand durch und der Wanderweg führte uns am Hang entlang weiter nach oben.Ein erster grösserer Bach war zum Glück mit Brettern und Leitern begehbar gemacht sonst wäre eine Durchquerung wohl nicht möglich gewesen. Der zweite Bach allerdings hatte keine solchen Hilfsmittel und wir mussten uns eine Stelle suchen wo man von Stein zu Stein hüpfend hinüberkommen konnte. Weiter Oben kam ein Schneefeld mit einer Schneebrücke am Ende, die schon sehr dünn war und die wir aus diesem Grunde nur einzeln überquerten.

Nach Oben hin wurde der Weg immer steiler und war an vielen Stellen recht ausgesetzt. An diesen Stellen waren glücklicherweise aber immer Ketten angebracht, denn ein Ausrutschen hätte dort sicherlich ernste Konsequenzen gehabt. Nach rund 4 Stunden kam zum ersten Mal die Hütte in Sicht, doch trennte uns dorthin noch ein steiler aufstieg durch felsiges Gelände. Aber auch hier gab es Ketten, die uns halfen uns durch die steile Wand zu klettern. Nach etwas 4,5 Stunden inklusive Rastpausen waren wir schlussendlich an der Trifthütte auf 2500 Metern Höhe. Wir hatten Glück früh dort angekommen zu sein, denn kurze Zeit später fing es stark an zu regnen und die nachfolgenden Gruppen mussten den Aufstieg bei nassen Bedingungen hintersich bringen. Mit Kartenspielen und lesen überbrückten wir die Zeit bis zum Abendessen und gegen 22:00 Uhr war allgemeines schlafen gehen angesagt. Im Matratzenlager war es erstaunlich ruhig, aber leider nur bis 5 Uhr als die Ersten sich auf den Weg machten. Da wir ja „nur “ noch zurück ins Tal mussten am zweiten Tag, konnten wir es uns erlauben auszuschlafen. Das bedeutete aber auch für uns um 7 Uhr aufzustehen. In den Bergen ticken die Uhren halt ein wenig anders.

Nach einem guten und ausgiebigen Frühstück ging es bei trockenem aber bewölkten Wetter um viertel vor neun für uns los. Der Weg war durch die Regenfälle von letzter Nacht teilweise sehr rutschig und wir mussten uns sehr konzentrieren um nicht auszurutschen. Obwohl wir bergab gingen, brauchten wir zurück zur Hängebrücke fast gleich lang, wie wir für den Aufstiegt benötigt hatten. Das lag an den vielen technischen Stellen, die bergab genau so viel Zeit benötigen wir bergauf. In der Zwischenzeit war die Sonne herausgekommen. Als wir an der Brücke ankamen hatten wir einen quietschblauen und fast wolkenlosen Himmel. Beim zweiten Mal ist die Brücke schon deutlich weniger furchteinflössend, aber der Einstieg ist auf dieser Seite ungemütlicher als von unten kommend. Da schon recht viel los war, hielten wir uns nicht lange auf und überquerten die Brücke zügig um den anderen Wanderen den Weg freizumachen.

Auf dem Wen hinunter zur Bergstation kamen uns sehr viele Wanderer entgegen, kein Wunder es war ja Sonntag. Unten angekommen, stand unser Picknick auf der schönen Sonnenterasse an. Den Weg hinunter ins Tal wollen wir dieses Mal zu Fuss gehen und nicht die Gondel benutzen. Wieder Erwarten ging der Weg am Anfang mehrheitlich nach Oben und nicht nach unten, was uns spanisch vorkam, denn wir wollten ja ins Tal absteigen. Nach einer Weile konnten wir dann den Grund dafür sehen, denn es kam eine sehr steile seitliche Schlucht ins Haupttal, die wir nur oberhalb queren konnten. Dafür war der Weg im Wald sehr schön und wir hatten einige tolle Aussichten. Nach der Schlucht gings dafür um so steiler ins Tal hinab und unsere Oberschenkel wurde arg strapaziert. Nach rund 1,5 h waren wir wieder bei unseren Autos am Parkplatz unterhalb der Gondelstation.