Tag 4 (28.5) Hveragerði-Hvolsvöllur

Nachdem ich gestern alle nassen Sachen super trocknen konnte und auch das Wetter deutlich besser war, ging es frohen Mutes wieder auf’s Rad um die lange Strecke zum Skogafoss Wasserfall unter die Räder zu nehmen. Doch wie so oft kam es anders…

Heute Morgen war wirklich strahlender Sonnenschein und ich bin nach einem ausgiebigen Frühstück frohgemut auf’s Rad gestiegen. Alles war wieder trocken und der Magen gefüllt.

Das Ziel war der Skogafoss Wasserfall, der allerdings war über 100 km entfernt. Aber irgendwann musste ich ja mal damit anfangen längere Strecken zu fahren. Bis Selfoss (merkt euch das mal…) lief alles super und ich kam ganz gut voran. Der Wind war so früh am Morgen noch nicht so stark. Von Selfoss nach Hella hatte man einen wunderschönen Blick auf den Hekla. Das ist ein schöner eisbedeckter Vulkan, der nicht oft so schön zu sehen ist, da er meist in den Wolken steckt.

Links und rechts der Strecke gab’s endlose Weiden mit Schafen und Pferden, alles in sattem grün.

Die Natur explodiert hier förmlich, wenn der Schnee erst mal weg ist. Einen Frühling gibt’s praktisch nicht und so bald es etwas wärmer wird, legt sich die Natur kräftig ins Zeug, denn der Sommer ist kurz. Wer also Pferdefan ist, sollte sich mal überlegen hierher zu fahren um einen Reiturlaub zu machen. Angebote gibt’s zu Hauf. Billig ist es sicher nicht, denn hier ist nichts billig. Island ist bisher mit Abstand das teuerste Land in dem ich je war. Da kommen einem sogar die schweizer Preise günstig vor. Kein Wunder die müssen praktisch alles importieren. Und das kostet eben doch einiges. Doch zurück zum Tag… Es war immer noch tolles Wetter aber wie bereits erwähnt kommt es in Island immer anders… Die Mittagspause machte ich gegen Mittag im schönen Örtchen Hella.

Nach rund 60 km kam ich in Hvolsvöllur an und freute mich wie toll ich bisher vorangekommen war. Zwischen Hella und hier war zwar schon etwas mehr Wind gewesen aber immer noch so, dass man fahren konnte. Das sollte sich bald ändern. Denn erstens war es nun wirklich topfeben hier und die grünen Wiesen wurden durch etwas das eher an eine Steppe erinnert abgelöst. Man konnte endlos weit schauen, denn Bäume hat´s hier ja keine. Kein Witz! Bäume sind in Island super selten und Holz entsprechend teuer. Jedenfalls konnte der Wind nun schoen über die Ebene pfeifen und ich versuchte dagegen anzukämpfen. Das Rad bietet natürlich auch super viel Angriffsfläche mit den Taschen. Und 50 kg Gewicht sind auch nicht gerade leicht zu bewegen. Naja weit in der Ferne sah ich einen Wasserfall, das war zwar nicht der zu dem ich wollte, aber da wildcampen erlaubt ist, wollte ich mich bis dorthin durchschlagen zumal ich hoffte dass der zugehoerige Berg mir Windschatten geben würde. Aber das Teil kam und kam nicht naeher. Das lag auch daran dass ich immer langsamer wurde. Irgendwann habe ich mit voller Kraft noch ganze 8 km/h geschafft und nach 2 Stunden war ich dermassen am Ar… dass ich einfach stehen blieb. Ich bin gegen eine unsichtbare aber doch sehr fühlbare Wand gefahren. Der Berg war irgendwie auch noch nicht näher gekommen und mir war klar, dass ich nicht durch diese unsichtbare Wand kommen kann. Dortbleiben war auch nicht möglich, da weit und breit nur Zäune waren, aber kein Platz wo man sich hätte verstecken können. Also entschloss ich mich umzukehren. Die 17 km konnte ich auf dem Rückweg in lockeren 30 min erledigen aber meine Knie waren ziemlich fertig. Also heute 34 km umsonst gefahren und die Knie ruiniert… So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Dabei war ja heute bestes Wetter…. Eigentlich-wenn man mit dem Auto unterwegs wäre. Immerhin war der Campingplatz umsonst, weil er offiziell noch nicht offen war…Das war allerdings ein schwacher Trost. Mehr Trost war die Tatsache, dass ich nun mein Islándisches Handy benutzen konnte und SMS nach Hause schicken konnte.

Tag 3 (27.5) Krýsuvík Kirche – Hveragerði

Der dritte Tag begann wie der zweite Aufgehört hatte, strömender Regen und dichter Nebel. In der fast komplett zerfallenen Scheune hab ich mir etwas zu Essen reingestopft- Frühstücken kann man das Trauerspiel nicht nennen, da ich mehr damit beschäftig war nicht komplett nass zu werden während der Nahrungsaufnahme. Dazu war’s ziemlich kalt. Ich war froh endlich wieder auf dem Rad zu sitzen.

Heute aufgewacht und draussen immer noch das gleiche Sauwetter. Nur dazu noch dichter Nebel. Das konnte ich allerdings erst sehen als ich mich überwunden hatte mal aus dem Zelt zu schauen. Super!

Nachdem ich meine nassen Sachen inklusive Regenzeugs im Zelt angezogen hatte, packte ich das nasse Zelt ein. Danach habe ich in meinem Toilettenblock zwei Bananen reingestopft und Limonade getrunken. Tolles Fruehstuck ich weiss… Aber ich merkte schnell, dass ich hier meine Ernährung umgstellen musste und reinstopfen sollte was normalerweise dick macht. Bei dem Kalorienumsatz den man durch das Radfahren und die Kälte an einem solchen Tag hat war das einfach nötig.
Aus Ermangelung einer besseren Option bin ich einfach weitergefahren, verfahren konnte man sich ja nicht, ausser der Strasse war sowieso nichts zu sehen.

Ich konnte von einem Pfosten am Streckenrand bis zum nächsten sehen – das wars! Irgendwann tauchte ein Polarfuchs neben mir auf, rannte 200 m neben mir her und verschwand danach wieder im Nebel. Das Hinterteil und der Schwanz waren noch weiss der Rest schon dunkel.

Das war eine schöner und unerwarteter Anblick und hat mir etwas über den Frust weitergeholfen den ich zu diesem Zeitpunkt gerade hatte. Das meine „Ferien“ gleich so heftig anfangen würden war wenig lustig. Aber ich hab trotzem versucht meine gute Laune nicht zu verlieren, auch wenn’s zu diesem Zeitpunk sehr schwer war. Die Piste wurde immer rumpeliger und wenn man nicht aufpasste kam man in den Tiefen Schotter. Das ist immer gefährlich, weil man das Rad kaum noch unter Kontrolle halten kann und jedes Mal einen Sturz riskiert. Nach einigen Stunden kam endlich der Highway 39 in sicht auf den ich schon länger gewartet hatte. Denn laut Karte sollte ich dann endlich wieder Teer unter den Rädern haben. An der Kreuzung der Strasse 38 machte ich erst einmal eine Pause, der Regen hatte tatsächlich aufeghört und ich konnte die Regensachen ausziehen. Danach konnte ich auf einer schönen Strasse nach Hverager­ði fahren, und konnte sogar endlich einmal die Umgebung sehen. Nach einem Abstecher in der Touristeninformation beschloss ich erst mal den Campingplatz zu suchen damit ich eine heisse Dusche nehmen konnte. Zum weiterfahren hatte ich an diesem Tag definitv keine Lust mehr. Und das obwohl wieder nur knapp über 50 km auf dem Tacho standen. Das war mir aber egal, denn der eigentliche Plan war es ja die ersten Tage ruhig anzufangen um mich langsam an die Strapazen gewöhnen zu können. Das hatte bisher schon mal nicht so toll funktioniert. Die Dusche war super warm und es gab einen Trockenraum wo ich alles nasse Zeugs aufhängen konnte. In genau diesem hab ich erst mal etwas geschlafen, ich war ja der einzige Gast und hatten alle für mich. Die Saison fängt erst am 1. Juni an und im Mai sind kaum Leute unterwegs. Kurze Zeit später kam sogar die Sonne raus und am späten Nachmittag konnte ich sogar noch eine tolle Wanderung in die umliegenden Berge machen.

An der Wanderung ging’s durch ein Thermalgebiet und der Kleine Bach wurde nach oben hin immer wärmer. Irgendwo war dann die Quelle, wo das Wasser dann gekocht und geblubbert hat.

Man hätte also locker baden können auf halben Weg und oben Spagehtti kocken. Das Land ist wirklich immer für eine Überraschung gut. Ich hatte ja schon eine Vorstellung davon was mich erwarten würde aber es erschlägt einen manchmal fast wenn man hier ist. Tolle Landschaften gibt’s hier und ziemliche Naturgewalten eben.

Tag 2 (26. Mai) Keflavík-Grindavík-Kirche von Krýsuvik

Heute ist der erste Radfahrtag gewesen und es ging gleich richtig zur Sache. Der Himmel grau, die Landschaft ebenfalls. Und der Wind zeigte gleich mal seine Krallen. Es ging von Keflavík über Grindavík zur Kirche von Krýsuvik. Teilweise bei heftigem Regen und am Ende des Tages auch dichtem Nebel-kein optimaler Ferienstart.

Heute Morgen als ich aufgewacht bin und mal vorsichtig aus dem Fenster geschaut habe, sind mir zwei Dinge aufgefallen…Es war kühl draussen und es blies ein steifer Wind.

Das Frühstück hätte sogar Mc. Donalds zu Ehre gereicht. Aber Hauptsache was im Magen würde ich sagen. Und wenn ich ehrlich bin wäre die Portion im „Mäcces“ immerhin grösser gewesen.

Near the blue lagoon

Nach einem Abstecher in das Zentrum von Keflavik machte ich mich auf zur Blauen Lagune, einem der absoluten touristischen Highlights in Island. Ich bezweifelte schon zu diesem Zeitpunkt, dass ich dort Brooke Shields treffen würde, und so war es auch. Die Schnepfe liess sich einfach nicht blicken. Aber zuvor mussten erst noch die 25 km bis dorthin überwunden werden. Gerade neben der Blauen Lagune konnte ich mein erstes Geothermiekraftwerk bewundern. Da raucht’s überall aber alles 100% Öko, da es sich um Wasserdampf handelt.

Thermalkraftwerk

Ich durfte gleich mal sehen wo in Island der Hammer hängt, wenns zum Thema radfahren kommt. Starker Gegenwind und leichte Steigungen drücken das Tempo enorm. Der Wind war kühl und ich war froh etwas aufwärmen zu können als ich dort war. Das sieht schon sehr spektakuär aus mit dem blauen Wasser inmitten der schwarzen Lavagesteine.

blue lagoon

blue lagoon

blue lagoon

Mir war das Ganze doch etwas zu touristisch. Ich machte mich bald nach Grindavík auf, einem kleinen Fischerdorf an der Küste, welches ein paar Kilometer südlich liegt.

Grindavik

Grindavik

Grindavik

Da es noch zu früh war um den Tag zu beenden, fuhr ich weiter. Als erstes ging’s dann gleich mal über einen netten Pass rüber und es begann zu regnen. Dazu kam die Tatsache, dass die Strasse zur Piste wurde und diese schwer zu befahren war.

Grindavik

Grindavik

Grindavik

Irgendwann war ich klatschnass und recht müde. Laut Karte sollte ein Campingplatz kommen der bei einer Kapelle liegen sollte. Die Kapelle war die Kirche von Krýsuvik und tauchte tatsächlich irgendwann aus den Nebelschwaden auf.

Grindavik

Der Campingplatz war mal dort gewesen, aber davon war wenig übrig. Ein alter Toilettenblock mit verlassenen Plumpsklos. Ich war wie bereits erwähnt ziemlich nass und bei den Klos war die Hälfte noch nicht eingestürzt, so dass ich in einer Ecke was kochen konnte. Warm ist etwas anderes vor allem mit dem Wind der gepfiffen hat. Ich bin dann noch fuer eine Weile in die Kapelle gehockt weil´s da trocken war. Aber warm war es auch da nicht, was auch an meinen nassen Kleidern gelegen haben könnte. Deshalb bin ich kurz nach Acht in meinen Schlafsack gekrochen. Kilometermässig war das ein kurzer Tag mit knapp über 50 km. Dafür waren das über 1000 Höhenmeter und mehr als 4 h Fahrzeit. Ein sehr bescheidener Schnitt…und viel zu anstrengend für einen ersten Tag.

Tag 1 (25. Mai) Basel-Zürich-Düsseldorf-Keflavík

Heute ging die Island Reise los. Mein Flug ging von Basel via Zürich nach Düsseldorf und dann nach Keflavík in Island. Viele Stops die den Flug unnötig in die Länge zogen. Aber um diese Jahreszeit gibt’s keine andere Möglichkeit.

Iceland here I come!

Von Basel ging die Reise mit dem Auto nach Zürich. Eigentlich ziemlich dämlich, da wir ja in Basel auch einen Flughafen hätten…Naja der Zwischenstop in Düsseldorf war auch unnötig und hat die Reise noch ein wenig mehr in die Länge gezogen. Immerhin kam dieses Mal alles Gepäck mit an und es gab keine nennenswerten Verspätungen. Das ist doch auch schon mal was.

So bin ich kurz vor Mitternacht in Keflavik gelandet wo wie vereinbart ein Transport zum Hotel für mich und mein Gepäck bereitstand. Wir haben hier 2 h Zeitverschiebung und obwohl es schon nach Mitternacht war als ich ins Bett bin war es draussen noch nicht dunkel. Da ich aber müde war von der Reise war das mit dem Einschlafen kein wirkliches Problem.

Morgen wird’s ernst

Morgen geht es los. Das Rad ist verpackt, die Packtaschen sind voll und ich habe hoffentlich nichts vergessen. Naja so lange ich Geld dabei habe könnte ich auch alles was fehlt noch kaufen. Die erste Hürde war es schon einmal einen Platz zum schlafen zu finden. Denn der Campingplatz in Keflavik ist noch zu und öffnet erst am 1. Juni, also musste ich ein Zimmer nehmen, die es hier ja bekanntlicherweise nicht in günstig zu haben gibt. Ich hoffe das wird nicht zur Gewohnheit sonst ist meine Reisekasse ziemlich schnell leer. Aber andererseits bin ich auch froh, wenn ich nicht noch mitten in der Nacht mein Zelt aufbauen muss. Morgen geht’s also von Zürich über Düsseldorf nach Keflavik. Der nächste Post wird dann also aus Island kommen.

GEOPRESS_LOCATION([E 007°36.718,N 47°33.974])